Bulls-Biker Karl Platt im Interview


1. Karl, seit wievielen Jahren bist Du MTB-Profi?
Eigentlich bin ich den klassischen Weg durchlaufen. Sportinternat, Sportsoldat und dann Profi. Schon seit 10 Jahren.
2. Für welche Teams bist Du in deiner Profi-Laufbahn bereits gestartet?
Ich bin meinen Teams in meiner Profi-Laufbahn sehr treu geblieben und war bisher nur bei Rocky Mountain und jetzt bei Bulls, wo ich auch die nächsten drei Jahre wieder verbringen werde.
3. Was waren für dich die schönsten und wichtigsten Erfolge?
Ich habe 6 Mal die Transalp gewonnen und als Einziger 3 Mal das Cape Epic, war 2 Mal Deutscher Meister und habe einige Marathonsiege errungen.
4. Wie sieht bei dir ein normaler Trainingstag in der Saisonvorbereitung
aus, und wie bereitest du dich auf so ein Megaevent wie Cape Epic vor?
In der Saisonvorbereitung trainiere ich zwischen 4 und 8 Stunden auf dem Bike, hinzu kommen noch ein paar Kräftigungsübungen. Wenn es dann spezifisch zum Saisonhöhepunkt geht, dann wird mein Training sehr akribisch. Meine Erfahrung sagt mir, dass man Länge mit Intensität verbinden muss, und damit liege ich fast immer richtig.
5. Du kommst aus Osthofen im rheinhessischen Hügelland. Gibt es in dieser Region die optimalen Trainingsbedingungen, um sich auf die Rennen mit der Welt-Elite vorzubereiten?
Einige gute Rennfahrer kommen aus der Pfalz. Wir haben hier die schönsten und perfektesten Trainingsbedingungen. Der Pfälzer Wald ist ein Singeltrail Paradies.
6. Kannst du uns verraten, wieviele Kalorien du bei einem Rennen wie dem
Cape Epic verlierst?
Das kann man gar nicht so genau sagen, unser Physiotherapeut sagt nur, dass wir essen wie eine 10-köpfige Familie, dabei aber nicht zunehmen! Ich glaube, das sind dann schon einige Kalorien...
7. Wie sieht dein Speiseplan während eines Rennens aus?
Wir achten darauf, dass wir gute, hochwertige und abwechslungsreiche Kost zu uns nehmen. Wir hören aber auch auf die Signale, die unser Körper uns sendet, sprich: Nicht nur Pasta sondern auch Fleisch und alles, worauf wir Lust haben. Das kann dann auch mal ein Bier sein am Abend zum Einschlafen. Dem Kopf muss es gut gehen, man muss in der Rennhektik immer ausgeglichen sein und Essen gehört da dazu.
8. Welchen Stellenwert hat das MTB in Südafrika? Wie ist die Medienpräsenz beim Cape Epic?
Das Cape Epic hat sich in den letzten Jahren für uns als ein Höhepunkt entwickelt. Die Menschen in Südafrika sind sehr sportbegeistert, und seit dem Cape Epic auch Bike-fixiert. Die Veranstaltung ist unheimlich professionell, du hast das Gefühl, du bist bei der Tour de France. Überall Fernsehteams und Reporter, dementsprechend wird es auch publiziert. Mittlerweile haben wir da unten einen Popularitäts-Status.
9. Der MTB-Spitzensport fordert sehr viel. Was ist dein Geheimnis, dem
Leistungsdruck Jahr für Jahr gerecht zu werden?
Das Schöne am MTB-Sport ist, dass er unheimlich viel Spaß macht und sehr abwechslungsreich ist. Man schrubbt nicht nur einfach Kilometer - wenn man keine Lust hat zum Trainieren, dann geht man Trails fahren und bekommt die Birne frei und weiß, warum man Mountainbiker ist. Zudem hab ich meine Familie, die mir sehr viel Rückendeckung gibt und mich motiviert. Ich bin auch ein leidenschaftlicher Hobby-Autorennfahrer und verbringe einige Zeit auf der Nordschleife. Das schult ungemein das Reaktionsvermögen und die richtige Linienwahl.
10. Haben deine Kinder die Leidenschaft zum Radfahren auch schon entdeckt?
Mein Kinder fahren sehr gerne Fahrrad. Sie haben damit auch schon früh angefangen. Aber meine Tochter (5) will lieber Zahnärztin werden und mein Sohn (3) lieber Formel 1-Fahrer. Mal schauen, was daraus wird!
11. Wieviel Zeit bleibt Dir für deine drittgrößte Leidenschaft - nach der Familie und dem Radfahren - den schnellen Autos?
Für ein paar Runden Nordschleife reicht es :-) In der Saison bin ich so aufs Biken konzentriert, dass fast keine Zeit übrig bleibt. Aber ich möchte nächstes Jahr eine Rennlizenz machen und vielleicht mal ein Autorennen mitfahren.
12. Was sind deine sportlichen und privaten Ziele für das Jahr 2010?
Ich habe mir wieder einiges vorgenommen: Cape Epic, Transalp und natürlich ganz groß die Marathon-Weltmeisterschaft im eigenen Land in St. Wendel. Dieses Jahr musste ich leider gesundheitsbedingt die Saison bei der Transalp abbrechen und beenden. Aber jetzt ist alles verheilt, ich bin top-ausgeruht und schon fleißig am Trainieren. Ich habe die letzten Jahre meinem Körper viel abverlangt, und das hat er sich gemerkt. Jetzt muss ich die guten Grundvoraussetzungen nur wieder aus dem Offline-Modus aktivieren.
Karl, herzlichen Dank für das Interview!